Heinz KahlauMahnung an C.Die Verhältnisse Plan für einen Abschied Selbstbetrug Du gehst Trauer Ungesagtes Blinde Liebe Erich KästnerFamiliäre StanzenPrima Wetter Ein Mann gibt Auskunft Vorstadtstraßen Sachliche Romanze Friedrich NietzscheIm deutschen November |
Erich FriedDannAngst und Zweifel Versuch sich anzupassen Die Vorwürfe Was Ruhe bringt Diese Leere Schön fast wieder Glück Was war das? Als kein Ausweg zu sehen war Wo lernen wir? Humorlos Herrschaftsfreiheit Wintergarten Aber Kein Unterschlupf Traurigkeit die jeder kennt Rainer Maria RilkeNur fortAda ChristenZu Spät!Ron WinklerNovembertage |
Gerhard SchöneDie kleine QuelleHermann HesseStufenEntgegenkommen Christian MorgensternWar das die Liebe?Georg HeymSpitzköpfig kommt er... |
Geh sorgsam mit dir um, dich kann's nur einmal geben und auch nur kurz - man darf dich nicht verbrauchen wie einen Rohstoff. Du bist kein Produkt. Entzieh dich der Statistik, du bist wichtig. Bewahre dich, weiche der Härte aus, verweigre dich den Überflüssigkeiten. Gib deine Antworten selbst, stell selber deine Fragen, gib acht auf dich, dich gibt es nur einmal.
Die Verhältnisse, in denen du nichts Neues über dich erfährst, die Verhältnisse, die dich kleiner machen als deine Freunde dich kennen, die Verhältnisse, in denen du den Kopf einziehen und die Knie beugen musst, um stehen zu bleiben - diese Verhältnisse musst du verändern oder verlassen.
Ich werde mich einrichten darauf, obwohl es lange dauern kann, dass du kommst, mir zu sagen: Nun ist es so. Ich werde langsam gehen. So wird es nötig sein, stehenzubleiben. Die schwersten Ängste Werde ich auf mich laden Zu Anbeginn, so Wird es mir leichter Dem ende zu. Vieles Werde ich abgelegt haben, solange die weißen Gipfel der Einsamkeit noch ferne sind. Ich werde mich einrichten darauf, das mein gefährlichster gegner ich selber bin. Nur so Kann ich sicher sein, das ich mir nicht in den Rücken falle. So Werde ich mich besiegt haben, bevor ich mutlos bin. Aber Ich werde mich einrichten darauf, dass es lange dauern kann.
Bevor du gehst, musst du die Vögel füttern, weil doch Schnee ist und weil sie verhungern ohne dich, sagst du. Willst du nicht wissen, dass sie Flügel haben, in all der Kälte, das es noch Futter gibt - anderswo? Trotz all des Schnees?
Es war so, dass ich dich suchen musste. Es war so, dass ich dich finden musste. Daß ich dich kennen, dass ich dich lieben musste - es war so. Daß ich dich halten musste - So war es nicht.
Mich hat die Trauer leicht gemacht wie eine Feder. Wird meine Tür geöffnet, trägt es mich ins Freie. Jetzt hilft es nicht, mir Hände herzureichen. So schnell kann ich doch keinen Halt gewinnen. Ich bin so weit entfernt von allen Dingen und würde mich so gern an ihnen stoßen, damit der Leib den Schmerz der Seele abnimmt.
Ich sitze neben dir, rühr keinen Finger und schau wie du auf eine Leinewand. Der Raum da zwischen uns wird nicht geringer, wir spüren nicht einmal des anderen Hand. Durch fünfmal Stoff weiß ich, dass deine Hüften und deine Arme glatt und schmiegsam sind. Ich sah dich bisher nur in weiten Mänteln und spüre dich doch so, als wär ich blind. Es tut fast weh, die Hand nicht auszustrecken und dich zu streicheln, sacht und ohne Scham. Wie soll ich dir im hellen Licht begegnen - ich weiß nicht einmal, wie das alles kam.
Sag mir, wohin der Wind dich treibt, ich hoffe dort auf dich. Zum Hoffen bleibt mir noch immer Zwischen Himmel und Erde der Strich.
Wenn sich Leute, die sich lieben, hassen, tun sie das auf unerhörte Art. Noch in allem, was sie unterlassen, bleibt ihr Haß aufs sorglichste gewahrt. Keiner will vorm anderen erblassen. Selbst die falschen Zähne sind behaart. Und auch bei den höflichen Gesprächen sieht es aus, als ob die Herzen brächen. Denn sie kennen sich auf jede Weise, tags und nachts und viele Jahre schon. Und sie teilten Schlaf und Trank und Speise und die Sorgen und das Telefon. Jetzt verletzen sie sich klug und leise. Lächeln ist noch nicht der schlechtste Hohn. Jeder Ton ist messerscharf geschliffen. Und der Schmerz wird, eh es schmerzt, begriffen. Und sie mustern sich wie bei Duellen. Beide kennen die Anatomie ihrer Herzen und die schwachen Stellen. Und sie zielen kaum. Und treffen sie! Ach, es klingt, als würden Hunde bellen. Und die Uhr erschrickt, wenn einer schrie. Alles, was sie voneinander wissen, wird wie Handgranaten hingeschmissen! Aber plötzlich ist ihr Haß verschwunden. Krank und müde blicken sie sich an. Und sie staunen über ihre Wunden. Keiner wußte, daß er beißen kann ... Beide sind beim gleichen Schicksal Kunden. Und sie spielen wieder Frau und Mann. Denn die Liebe wird nach solchen Stunden endlich wieder angenehm empfunden.
Wo sind die Tage, die so traurig waren und deren Traurigkeit uns so bezwang? Die Sonne scheint. Das Jahr ist sich im klaren. Es ist, um schreiend aus der Haut zu fahren und als Ballon den blauen Himmel lang! Die grünen Bäume sind ganz frisch gewaschen. Der Himmel ist aus riesenblauem Taft. Die Sonnenstrahlen spielen kichernd Haschen. Man sitzt und lächelt, zieht das Glück aus Flaschen und lebt mit sich in bester Nachbarschaft. Man könnte, denkt man, wenn man wollte, fliegen. Vom Stuhle fort. Mit Kuchen und Kaffee. Auf weißen Wolken wie auf Sofas liegen und sich gelegentlich vornüber biegen und denken:"Also das dort ist die Spree." Man könnte sich mit Blumen unterhalten und Wiesen streicheln wie sein Fräulein Braut. Man könnte sich in tausend Teile spalten und vor Begeisterung die Hände falten. Sie sind nur gar nicht mehr dafür gebaut. Man zieht sich voller Zweifel an den Haaren. Die Sonne scheint, als hätt' es wieder Sinn. Wo sind die Tage, die so traurig waren? Es ist, um förmlich aus der Haut zu fahren. Die große Schwierigkeit ist nur: Wohin?
Das Jahr war schön und wird nicht wiederkehren. Du wußtest, was ich wollte, stets und gehst. Ich wünschte zwar, ich könnte dir's erklären, und wünschte doch, das du mich nicht verstehst. Ich riet dir manchmal, dich von mir zu trennen, und danke dir, das du bis heute bliebst. Du kanntest mich und lerntest mich nicht kennen. Ich hatte Angst vor dir, weil du mich liebst. Du denkst vielleicht, ich hätte dich betrogen. Du denkst bestimmt, ich wäre nicht wie einst. Und dabei habe ich dich nie belogen! Wenn du auch weinst. Du zürntest manchmal über meine Kühle. Ich muß sagen: Damals warst du klug. Ich hatte stets die nämlichen Gefühle. Sie waren aber niemals stark genug. Du denkst, das klingt, als wollte ich mich loben und stünde stolz auf einer Art Podest. Ich stand nur fern von dir. Ich stand nicht oben. Du bist mir böse, weil du mich verläßt. Es gibt auch andere, die wie ich empfinden. Wir sind um so viel ärmer, als ihr seid. Wir suchen nicht. Wir lassen uns bloß finden. Wenn wir euch leiden sehen packt uns der Neid. Ihr habt es gut. Denn ihr dürft alles fühlen. Und wenn ihr trauert, drückt uns nur der Schuh. Ach, unsere Seelen sitzen wie auf Stühlen, und sehn der Liebe zu. Ich hatte Furcht vor dir. Du stelltest Fragen. Ich brauchte Dich und tat dir doch nur weh. Du wolltest Antworten. Sollte ich denn sagen: Geh.. Es ist bequem, mit Worten zu erklären. Ich tu es nur, weil du es so verlangst. Das Jahr war schön und wird nie wiederkehren. Und wer kommt nun? Leb wohl! Ich habe Angst.
Als sie einander acht Jahre kannten (und man darf sagen: sie kannten sich gut), kam ihre Liebe plötzlich abhanden, Wie andern Leuten ein Stock oder Hut. Sie waren traurig, betrugen sich heiter, versuchten Küsse, als ob nichts sei, und sahen sich an und wußten nicht weiter. Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei. Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken. Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken. Nebenan übte ein Mensch Klavier. Sie gingen ins kleinste Café am Ort und rührten in ihren Tassen. Am Abend saßen sie noch immer dort. Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort und konnten es einfach nicht fassen.
Im deutschen November
Dies ist der Herbst: der - bricht dir noch das Herz! Fliege fort! fliege fort! - Die Sonne schleicht zum Berg Und steigt und steigt und ruht bei jedem Schritt. Was ward die Welt so welk! Auf müd gespannten Fäden spielt Der Wind sein Lied. Die Hoffnung floh - Er klagt ihr nach. Dies ist der Herbst: der - bricht dir noch das Herz. Fliege fort! fliege fort! Oh Frucht des Baums, Du zitterst, fällst? Welch ein Geheimnis lehrte dich Die Nacht, Daß eis'ger Schauder deine Wange, Die purpur-Wange deckt? - Du schweigst, antwortest nicht? Wer redet noch? - - Dies ist der Herbst: der - bricht dir noch das Herz. Fliege fort! fliege fort! - "Ich bin nicht schön - so spricht die Sternenblume - Doch Menschen lieb' ich Und Menschen tröst' ich - sie sollen jetzt noch Blumen sehn, nach mir sich bücken ach! und mich brechen - in ihrem Auge glänzet dann Erinnerung auf, Erinnerung an Schöneres als ich: - - ich seh's, ich seh's - und sterbe so. - Dies ist der Herbst: der - bricht dir noch das Herz! Fliege fort! fliege fort!
Wenn dein Glück kein Glück mehr ist dann kann deine Lust noch Lust sein und deine Sehnsucht ist noch deine wirkliche Sehnsucht Auch deine Liebe kann noch Liebe sein beinahe noch glückliche Liebe und dein Verstehen kann wachsen Aber dann will auch deine Traurigkeit traurig sein und deine Gedanken werden mehr und mehr deine Gedanken Du bist dann wieder du und fast zu sehr bei dir Deine Würde ist deine Würde Nur dein Glück ist kein Glück mehr.
Zweifle nicht an dem der dir sagt er hat Angst Aber habe Angst vor dem der dir sagt er habe keine Zweifel
Die Vorwürfe die ich dir nicht mache weil ich kein Recht habe sie dir zu machen und weil ich Angst habe dich zu verlieren sehen einander an welcher von ihnen der größte und schwerste ist und sie beginnen zu streiten um ihre Zukunft Sollen sie sich an mir schadlos halten dafür daß ich sie nicht zu Worte kommen ließ und was sollen sie mit mir tun? mir den Atem nehmen? Sollen sie mich oder nur meine Liebe ersticken? Sie wollen nicht sehen daß sie ungerecht sind
Ich habe immer geglaubt was Ruhe bringt ist das Glück Aber das Unglück bringt viel tiefere Ruhe Ich wache als ob ich schliefe ohne Traum Ich atme als ob ich nicht wirklich atmen müßte Ich bin müde als ob ich nur müde wäre vom Schlafen
Wie leer ist es da wo etwas war Wo was war? Etwas was nicht mehr da ist Und ist es nicht mehr da? Warum nicht? und wirklich nicht? Kann es nicht wieder da sein? Darf es nicht wieder da sein? Ist deshalb alles so leer? Wie groß muß gewesen sein was da war das alles jetzt wenn es vielleicht nicht da ist oder vielleicht nicht mehr da sein wird so leer ist das Leere in Leere übergeht oder untergeht oder ruht? Müßte Ruhe nicht eigentlich anders sein als das was leer ist und doch kalt ist obwohl das Leere nicht kalt sein kann als das was leer ist und doch noch brennt obwohl das Leere nicht brennen kann als das was leer ist und doch den Hals zuschnürt obwohl das Leere den Hals nicht zuschnüren kann Was ist es also?
Sein Unglück ausatmen können. Tief ausatmen so dass man wieder einatmen kann. Und auch vielleicht sein Unglück sagen können in Worten, in wirklichen Worten, die zusammenhängen und Sinn haben und die man selbst noch verstehen kann und die vielleicht sogar irgendwer sonst versteht oder verstehen könnte. Und weinen können. Das wäre schon fast wieder Glück.
Ohne dich sein ganz ohne dich und langsam zu vergessen beginnen und ganz vergessen wie es mit dir war ganz mit dir und dann halb halb mit und halb ohne und ganz zuletzt ganz ohne Ganz ohne was? Was war denn das: "Mit dir sein?" Was war das: "Du du du du du du und ich?" Das waren wir und diese wir was war das? Die letzten Menschen reden vielleicht davon wie es war als es Gras gab und Tiere mit denen man lebte Und dann wird einer fragen: "Was war das: Tiere?" wird etwas übrigbleiben von mir und fragen: "Was war das: DU?"
Die umherirren und sagen noch daß sie wissen das sie umherirren und daß sie noch sagen wollen was sie in ihrem Umherirren sehen wenn sie noch etwas sehen die haben noch etwas zu sagen Nämlich das sie nichts sehen wenn sie nichts sehen und das sie etwas sehen wenn sie etwas sehen und das sie umherirren weil sie nicht wissen wo oder ob überhaupt noch ein Weg der kein Irrweg ist ist Und vielleicht ist dann ihr Umherirren gar kein so arges Umherirren wie das derer die nicht sagen daß sie wissen daß sie umherirren und die nicht sagen wollen was sie dabei sehen oder wenn sie nichts sehen nicht sagen wollen daß sie nichts sehen weil sie nicht sehen wollen daß sie umherirren und daß es vielleicht keinen Weg gibt
Wo lernen wir leben und wo lernen wir lernen und wo vergessen um nicht nur Erlerntes zu leben ? Wo lernen wir klug genug sein die Fragen zu meiden die unsere Liebe nicht einträchtig machen und wo lernen wir ehrlich genug zu sein und unserer Liebe zuliebe die Fragen nicht zu meiden ? Wo lernen wir uns gegen die Wirklichkeit wehren die uns um unsere Freiheit betrügen will und wo lernen wir träumen und wach sein für unsere Träume damit etwas von ihnen unsere Wirklichkeit wird ?
Die Jungen werfen zum Spaß mit Steinen nach Fröschen Die Frösche sterben im Ernst
Zu sagen "Hier herrscht Freiheit" ist immer ein Irrtum oder auch eine Lüge: Freiheit herrscht nicht
Deinen Briefumschlag mit den zwei gelben und roten Marken habe ich eingepflanzt in den Blumentopf Ich will ihn täglich begiessen dann wachsen mir deine Briefe Schöne und traurige Briefe und Briefe die nach dir riechen Ich hätte das früher tun sollen nicht erst so spät im Jahr
Zuerst habe ich mich verliebt in den Glanz deiner Augen in dein Lachen in deine Lebensfreude Jetzt liebe ich auch dein Weinen und deine Lebensangst und die Hilflosigkeit in deinen Augen Aber gegen die Angst will ich dir helfen denn meine Lebensfreude ist noch immer der Glanz deiner Augen
Nicht sich verstecken vor den Dingen der Zeit in die Liebe Aber auch nicht vor der Liebe in die Dinge der Zeit
Man weiß von vornherein, wie es verläuft. Vor morgen früh wird man bestimmt nicht munter. Und wenn man sich auch noch so sehr besäuft: die Bitterkeit, die spült man nicht hinunter. Die Trauer kommt und geht ganz ohne Grund. Und angefüllt ist man mit nichts als Leere. Man ist nicht krank. Und ist auch nicht gesund. Es ist, als ob die Seele unwohl wäre. Man will allein sein. Und auch wieder nicht. Man hebt die Hand und möchte sich verprügeln. Vorm Spiegel denkt man: "Das ist dein Gesicht?" Ach, solche Falten kann kein Schneider bügeln. Vielleicht hat man sich das Gemüt verrenkt? Die Sterne ähneln plötzlich Sommersprossen. Man ist nicht krank. Man fühlt sich nur gekränkt. Und hält, was es auch sei, für ausgeschlossen. Man möchte fort und findet kein Versteck. Es wäre denn, man ließe sich begraben. Wohin man blickt, entsteht ein dunkler Fleck. Man möchte tot sein. Oder Gründe haben. Man weiß, die Trauer ist sehr bald behoben. Sie schwand noch jedes Mal, so oft sie kam. Mal ist man unten, und mal ist man oben. Die Seelen werden immer wieder zahm. Der Eine nickt und sagt: "So ist das Leben." Der andre schüttelt seinen Kopf und weint. Wer traurig ist, sei's ohne Widerstreben! Soll das ein Trost sein? So war's nicht gemeint.
Nur fort von allen vielen, welche das Leben spielen: Das war mein blindes Zielen, war ohne Sinn und Saum. Jetzt weiß ich: Dir entgegen trieb ich auf tausend Wegen am Tage und im Traum. Und du bist das Erlösen, nach welchem ich in bösen, bangen Fiebern schrie; im Dicherkennen sanken meine reisigen reifsten Gedanken wie Kinder in die Knie.
Zu spät! Uns're Schiffe willst Du lenken Nun nach einem gleichen Ziel?! Fern Dir, losgerissen treib' ich, Längst der wilden Stürme Spiel. Fürchte Du das bösen Zischen, Kalte Grollen, fürcht' das Meer, Lass' mich ringen mit den Wogen, Einsam, haltlos, ohne Wehr! Bleibe still und unbekümmert Ferne mir und nah' dem Strand, Bald entsinket ja das Ruder Meiner kraftlos müden Hand - Oder - stürze muthig nach mir, Wenn mein Fahrzeug untergeht - Sterben können wir zusammen, Doch zum Leben ist's zu spät!
Novembertage
Novembertage, das waren Vögel, die sich nicht mehr bestimmen ließen anhand früher erschienener Bücher, Pilze, auf der Suche nach Wärme tief in die Achselhöhlen von Bäumen gedrängt, ihre Zaungäste alte Männer und Krähen, vertieft in zahnlose Monologe über Ernährung im Herbst, Regen goss dazwischen Hagebuttentee durch einen Strauch, dahinter druckten Schiffe schwermütig ihren Stahl auf den Fluss, deine Hand zeigte, wie lange noch das Licht für sie reichen würde
Es war einmal, und es ist irgendwann, und es geschieht genau zu dieser Zeit. Da war ein Land von Dürre ausgezehrt. Kein Regen, nicht ein Wölkchen weit und breit. Zuerst das Gras, das alles Grün verlor. Es wurde grau, und dann zerfiel zu Staub. Die Büsche dürr, die heulten noch im Wind. Die Bäume warfen ab ihr junges Laub. Tiere schleppten sich von hinnen Um der Wüste zu entrinnen. Wenige entkamen, viele fanden frühen Tod. Die Brunnen leer, die Quellen längst versiegt. Nur heiße Steine, wo der Fluß verlief. Ein alter Baum stand trotzig bis zuletzt, mit starken Wurzeln, unermeßlich tief. Die Trockenheit griff ihm schon an das Herz. Die Sonne brannte, und sein Tod war nah. Doch was war das: in seinem Schatten stand Noch eine Blume wie ein Wunder da! Eine kleine Quelle eben Hielt die Blume noch am Leben, weil sie ein paar kümmerliche Wassertropfen fand. Die Quelle sah das Elend rings umher Und wie die Dürre alles Land nahm. Wozu sich um die letzte Blume mühen? Sie spürte schon, wie sie ins Stocken kam. Sie sprach verzagt: "Mein Tun hat keinen Sinn! Ich halte doch die Wüste nicht mehr auf!" Der alte Baum, der nun im Sterben lag, entgegnete der Quelle schnell darauf: "Du versprich mir auf der Stelle, müh dich weiter kleine Quelle! Gib dich nicht, auch wenn es schwer ist, der Verzweiflung hin. Du sollst nicht die Wüste wässern, nicht die ganze Welt verbessern, nur die eine Blume tränken, darin liegt dein Sinn."
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern In andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der und beschützt und der und hilft, zu leben. Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, An keinem wie an einer Heimat hängen, Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, Er will uns Stuf` um Stufe heben, weiten. Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen. Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde Uns neuen Räumen jung entgegen senden, Des Lebens Ruf an und wird niemals enden... Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Die ewig Unentwegten und Naiven Ertragen freilich unsre Zweifel nicht. Flach sei die Welt, erklären sie uns schlicht, und Faselei die Sage von den Tiefen. Denn sollt es wirklich andre Dimensionen Als die zwei guten, altvertrauten geben, Wie könnte da ein Mensch noch sicher wohnen, Wie könnte da ein Mensch noch sorglos leben? Um also einen Frieden zu erreichen, So laßt uns eine Dimension denn streichen! Denn sind die Unentwegten ehrlich, Und ist das Tiefensehen so gefährlich, Dann ist die dritte Dimension entbehrlich.
War das die Liebe, die mich gestern streifte, wie eines seidenen Gewandes Atem im Dunkel, wie ein windvertragner Duft, wie Harmonien aus der blauen Nacht, woher, du weißt es nicht, doch stockt dein Blut und horcht in die Geheimnisse der Dinge... und all dein Wesen flutet zögernd aus, du fühlst dich wie ein Strom die Welt durchrinnen und ahnst doch noch ein Mehr-als-diese-Welt, wie hinter feiner Schleier Wehr noch wartend, ein Himmelreich voll Blüten, Früchten, Sonnen, und lächelnd winkt, die dich so sehr gerührt.
Spitzköpfig kommt er... Spitzköpfig kommt er über die Dächer hoch Und schleppt seine gelben Haare nach, Der Zauberer, der still in die Himmelszimmer steigt In vieler Gestirne gewundenem Blumenpfad. Alle Tiere unten im Wald und Gestrüpp Liegen mit Häuptern sauber gekämmt, Singend den Mond-Choral. Aber die Kinder Knien in den Bettchen in weißem Hemd. Meiner Seele unendliche See Ebbet langsam in sanfter Flut. Ganz grün bin ich innen. Ich schwinde hinaus Wie ein gläserner Luftballon.